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Man sagt: Das ist die wirkliche Hauptverkehrszeit. Es stimmt.

Mit dem Start des Referendariats wurde es Schritt für Schritt ernst. Im April 1995 ging es beim Landgericht Essen los. Es folgten Stationen beim Amtsgericht in Borbeck, bei der Staatsanwaltschaft Essen, bei der Stadtverwaltung Bochum, beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, bei einem Rechtsanwalt in Essen-Rüttenscheid und ein viermonatiger Kompaktkurs für angehende Anwälte in Bielefeld. Gewohnt habe ich in Schloß Holte-Stukenbrock. Ich empfand das damals als erste Auslandserfahrung.

In der besagten Anwaltskanzlei in Rüttenscheid habe ich nebenbei für 630 DM pro Monat gearbeitet und durfte erste Gerichtstermine wahrnehmen. Das waren natürlich eher kleinere Aufgaben und ich habe dann auch erfahren dürfen, wie groß Nordrhein-Westfalen eigentlich ist. Denn die Termine waren wirklich überall. Ich habe da viel gelernt, viel gearbeitet und es hat weitere Neugier geweckt, die mich letzten Endes zur Selbstständigkeit motivierte. Ich wollte spannendere Fälle machen.

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Und ich war Dozent an einer Schule für Altenpflege. In Düsseldorf, Krefeld und Gelsenkirchen habe ich Auszubildende auf rechtliche Fragen ihres späteren Berufs vorbereitet, darunter viele, die aus Osteuropa eingewandert sind. Auch das habe ich mehrere Jahre sehr gerne gemacht.

Christina und ich sind in der Zeit zusammengezogen, haben geheiratet und das erste Kind kam auf die Welt. Unser Sohn kam in ihrer Diplomphase. Nur kurze Zeit nach der Geburt hat sie ihren Abschluss gemacht. Ich denke heute noch: Wow. Ich bin damals zu Hause geblieben und habe Elternzeit gemacht. Mitte der 90er haben das nicht immer alle verstanden. Aber so haben wir das alles hinbekommen.

Aus heutiger Sicht frage ich mich schon, wie wir das alles so gut geschafft haben. Das waren immer 12 bis 14 Stunden Tage. Das Wichtige von Unwichtigem trennen ist bisweilen eine Kunst, die ich in diesen Jahren gelernt habe. Kommunalpolitik habe ich ja auch noch gemacht. Bei den Kommunalwahlen 1999 bin ich noch für den Stadtrat angetreten. Die SPD hat die Wahlen damals krachend verloren.

Heute muss ich sagen: Die politische Niederlage war im Nachhinein für mich persönlich gar nicht so schlecht. Da war für einige Zeit dann Schluss. Das hat mir für Familie und Beruf echt notwendige Freiheiten verschafft. Dafür bin ich heute sogar ein Stück dankbar. Aber damit reichte mir diese politische Erfahrung auch wirklich.

Eine Aufgabe auf dem Weg zum Anwalt musste ich noch erledigen: das zweite Staatsexamen. Die mündliche Prüfung stand im Juli 1997 an. Sie fand im NRW-Justizministerium im Düsseldorf statt und war hammerhart. Es hat zwar im Ergebnis gut geklappt, aber ich bin aus dem Gebäude raus und dachte nur: Nichts wie weg. Hier kommst Du nie wieder hin.

Manchmal kommt es dann anders, als man denkt.