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Über Straßenbahnfahrten, nervöse Neulinge und den Wert von Zusammenhalt

Eine Straßenbahn war am Ende der 1980er-Jahre im Ruhrgebiet meist unüberhörbar – so auch an diesem Tag. Da stand ich da ganz aufgeregt. Am Tag zuvor bin ich die Strecke sogar noch einmal testgefahren, um wirklich anzukommen. Jetzt fuhr sie an diesem Tag im April 1989 quietschend und ratternd ein und ich wusste: Jetzt wird es wirklich ernst. Ich zwängte mich durch die Holztürklappen in die rappelvolle Bahn und dann ging es los. Der erste Tag an der Uni stand bevor.

So wie mir ging es tausenden Neulingen dort. Da war man gerade raus aus Schule und Zivildienst und dachte, einem gehört die Welt und dann sah genau die zu Beginn eines neuen Lebensabschnitts schon in Bochum ganz anders aus. Der Anblick des vollen Hörsaals hat mich jedenfalls fast erschlagen. Da sucht man sich Gleichgesinnte und die habe ich auch gefunden, als ich mich in die erste Arbeitsgemeinschaft eingetragen habe.

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Es war gut, schnell Freunde zu finden. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, vor Klausuren Mut gemacht. Das war eine Lern- und Leidensgemeinschaft von jungen Leuten aus unterschiedlichen Häusern. Dieser Zusammenhalt hat uns alle besser gemacht. Die Verbindungen aus dieser Zeit sind deshalb bis heute geblieben. Mit einem, nämlich Oliver, habe ich hinterher sogar eine Kanzlei betrieben.

Ich habe mich im Studium auf das Strafrecht als Schwerpunkt konzentriert. Das fand ich spannend. Man hat viel über die vielen unterschiedlichen Ursachen für Kriminalität gelernt. Bei Hans-Dieter Schwind, einem ehemaligen CDU-Landesjustizminister, hatte ich ein Seminar zum Thema Bandenkriminalität. Etwas zuvor kam „der Mob“ – ein Buch von Dagobert Lindlau – raus. Ich habe ein Referat gehalten. Wir hatten faszinierende Diskussionen. Und die waren damals auch sehr differenziert, was mir heute bei der Diskussion über organisierte Kriminalität häufig fehlt. Das war alles sehr spannend.

Der Weg von der Uni zurück konnte schon damals lange dauern. Pendeln als Wette – da ging’s häufig auch darum, schnell nach Hause zu kommen (wenn man nicht versacken wollte, was sicherlich auch vorkommen konnte). Ich hatte ordentlich zu tun. Denn abseits der Uni hatte ich politisch die nächsten Schritte gemacht. 1989 wurde ich in die Bezirksvertretung gewählt. Erst brachte ich mich im Juso-Vorstand ein, dann ab 1994 als Vorsitzender im Ortsverein. Bis zum Nachmittag in Bochum studiert, danach um Borbeck gekümmert – das waren schöne Jahre. Sie haben mich gut vorbereitet.